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Wie alles begann

aus der Sicht unseres Spielleiters

 

Am Anfang war das Wort…

Schlappschwänze!!

 

Ein schlimmes Wort. Paradoxerweise ist auch noch Männlein und Weiblein gemeint.

Onkel Franz ist "grätig". Das ist er, wenn man sich seinem Willen widersetzt. Seine Anekdoten von den altvorderen genialen Theaterspielern aus den glorreichen 50er Jahren (im letzten Jahrtausend!) stoßen lange auf taube Ohren.

 

Theater wie "Der Gemshirt" oder "Am Grabeshügel der Mutter" (!) seien Meilensteine der Deuchelrieder Kulturgeschichte gewesen. Natürlich beklagt er zugleich wortreich die Unfähigkeit der heutigen Jugend ähnlich Grandioses auf die Beine zu stellen.

 

Seine schlaue Taktik geht irgendwann auf. Angestachelt von Bewunderung über die "oskarreifen" Leistungen der Elterngeneration und auch schon infiziert vom Theatervirus, aber vor allem wegen des obigen schlimmen Unworts, werden bald Pläne geschmiedet.

 

Schauspieler müssen her. Wer kann's, wer will?

 

Hansjörg! Der nervt eh schon geraume Zeit wegen ähnlicher Ideen. Mit väterlicher Unterstützung wird der Riedhof aufgesucht und ein erster Kandidat verpflichtet. Der zeigt sofort Richtung Wolfatz: Zum Eigen! Der könnt's. Den brauchen wir. Nur eine kurze schamhafte, bierflaschenlange Bedenkzeit am Brauchlerischen Küchentisch. Als Dreingabe gibt's noch seinen Schwager Horst dazu. Eine Schauspieler-Koryphäe – oder so ähnlich. Ein erfolgreicher Abend.

 

Der Rest wird aus der Landjugend rekrutiert. Armin, Maria, Andrea, Luzia, nochmals Andrea und Winne wagen nicht zu widersprechen, respektive sind nicht zu bremsen. Werner wird familienintern gezwungen. Mit mir selber gibt's auch keine nennenswerten Schwierigkeiten.

 

Was spielen??? Worüber heute monatelang gegrübelt wird, ist damals kein Problem. Irgendjemand kennt "Die zwei Gusseisernen". Das wird genommen. Basta! Automatisch Spielleiter wegen einschlägiger Erfahrung: Vater Sepp. Eine Kleinigkeit fehlt noch. Eine Theaterbühne. Kein Problem. Die uralten Kulissen, die in Karrers Dachboden modern, steigen beim Nägele wie "Phönix aus der Asche".

 

Zum Bühnenmeister in Personalunion mit Chefsouffleur wird Xaver ernannt. Mit Done erinnert man sich an einen erfahrenen Maskenbildner, den Gisela und Moni frisurmäßig unterstützen.

 

Dann geht's los: Geprobt wird nicht so oft, aber lang. Meist noch mit aufwärmendem Abschluss am Stammtisch. Die Eisblumen am Saalfenster (oder ist das Legende) verlangen nach Pfefferminz- oder Hopfentee.

 

Stefanstag 1979

Der verrauchte knallvolle Saal lässt das Lampenfieber steigen. Raufereien um letzte freie Plätze machen andächtiger Vorfreude bei Kerzenschein und Musik platz.

 

Alles wegen uns!!! Am Schluss fällt der Lohn reichlich aus. Applaus, Applaus!

Und weil wir alle noch reicher werden wollen, wird das nächste Jahr wieder gespielt.

 

… und Onkel Franz sah, dass es gut war!

 

So wurde mit einer Gruppe begeisterter wie auch begabter Spielerinnen und Spieler die heutige Theatergruppe ins Leben gerufen.

 

In den ersten Jahren standen jeweils nach Weihnachten unter großartiger Publikumsresonanz Stücke wie "Die zwei Gusseisernen", "Die falsche Katz" oder "St. Pauli in St. Peter" im "Hirsch-Saal" auf dem Spielplan.

 

Leider verstarb Spielleiter Sepp Biggel sen. viel zu früh während der Proben für "Die drei Eisbären" 1983. Im folgenden Jahr konnte dieses Stück dann unter der neuen Leitung von Sepp Biggel jun. aufgeführt werden. Erfolgsverwöhnt vergingen die Jahre mit stets ausverkauften Vorstellungen.

 

In den 90er Jahren wurde zur "Schonung" der Spieler, aber auch zur Einstudierung anspruchsvollerer Stücke ein 2jähriger Spielrhythmus eingeführt. Der Zuspruch der Zuschauer und die Begeisterung der Spieler lässt uns hoffen, noch lange nicht vom ansteckenden Theatervirus geheilt zu werden.