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„Koi Konzert und koi Theater“ – und dennoch kult-urig

29.10.2017

Nach vier Jahren machten das Deuchelrieder Theater und die Musikkapelle mit ihrem „Kulturigen“ unter dem Motto „Traumatische (Stadt-)Randkultur – g’schwätzt, g’spielt, g’sunga“ wieder gemeinsame Sache. Mit Sketchen und Musik sorgten 21 Akteure am Samstag und Sonntag für einen heiteren, urigen und zweifach ausverkauften Abend – handgemacht, in Dialekt und dem stets verschmitzten Blick auf den Allgäuer und seine ganz eigene Art und Lebensweise.

Wozu eigentlich Kultur? Diese Frage stellt sich Walter (Rainer Weindorf) auch, als ihn seine Frau (Yvonne Kling) zum „Kulturigen“ nach Deuchelried schleppen will. „Koi Theater und koi Konzert“ sei dies, meinte Manfred, Walters Kritik richtet sich auch an die Stadt, die mit der Farbgebung im neuen Dorfgemeinschaftshaus für auch ganz neue Kleiderprobleme seiner Frau sorgt – und ein neues Outfit nötig macht: „Nix als Folgekoschte hot me von dem Haus. Und Stadt will nix dovo wisse!“ Sicher ist sich Walter allerdings: Kultur im Dorf muss Etikettenschwindel sein. Denn: „Kultur gibt’s nur in der großen Stadt. Je weiter weg, je teurer und subventionierter – umso größer ist die Kultur.“

Dennoch waren Marzell Biggel und Vera Schwerdtle musikalisch sicher: Da muss man „schier gar na gong, schier gar gong.“ Theatermusik und Steibisberger Musik, beides Abordnungen aus den Reihen der Deuchelrieder Musikkapelle und unter Leitung von Christoph Heidel, leisteten ihren Teil. Der Umbau zum nächsten Sketch ging schnell vonstatten: An einer Wand hingen oder „lagen“ – je nach Sichtweise – Manfred (Marzell Biggel) und Anneliese (Caroline Güntner-Lang) im Bett. Manfred wachte auf. Er habe geträumt, ein Prinz zu sein, der als Reiseleiter für Martin Luther fungierte. Jener Luther wollte auf den – im Traum noch eingerüsteten – Kirchturm hinauf, was ihm aus Glaubensgründen verweigert wurde.

Deuchelrieder Eigenheiten

Dann griffen erneut Marzell Biggel und Vera Schwerdtle zum Mikrophon. Unter dem Motto „So isch g’wäh – so isch g’schäh – so hot ma’s g’säh“ beleuchteten sie mit ihrem G’stanzel musikalisch Deuchelrieder Eigenheiten und Veränderungen – angefangen von nun mit einem Physiotherapeuten besetzten alten Rathaus über den aus Deuchelried kommenden Weihbischof oder den Nagelbrett-Mountainbike-Trail bis zum „Industriegebiet Deuchelried Süd mit Zimmerei und einem Milchbetrieb“.

Nach der Pause trieb Margit Müller als resoluter „Küchebolze“ die Besucher humorig auf ihre Plätze und bemängelte die verbesserungsfähige Ausesskultur auf den Tellern. Käsrinden, Wurstzipfele und schlecht abgelutschte Oliven seien übrig geblieben. Ruhigere Töne gab es beim Lied „I hob vergesse, dass ich so vergesslich bin“ mit Vera Schwerdtle und Jonas Thanner. Einblicke ins echte Leben konnte man bei „Die Musikprobe“ erhalten, die Josef Biggel in launigen Reimen beschreibt. Die Probe endet – wie immer – im Hirsch.

Mit ganz speziellen Frauen(gewichts)problemen beschäftigen sich Vera Schwerdtle, Miriam Biggel und Sophia Vey beim Titel „In jeder Frau steckt ein Stück Hefe“. Und dann durfte im Bett (Winfried Geier/ Margit Müller) wieder geträumt werden.

Doch auch die Musik Deuchelried hatte beim „Kulturigen“ Gelegenheit, ihr Repertoire – von der „Vogelwiese“ bis zum Reinhard Fendrich-Klassiker „Weilst a Herz host wia a Bergwerk“ – zu präsentieren. Gelungen auch der „musikalische Rauswerfer“ mit Vera Schwerdtle und Jonas Thanner, die mit „Hey du, i glaub i kenn di – i kenn di von meim Handy“ für Lacher sorgten.

„Kulturiges“ gibt es am Montag, 20 Uhr, noch einmal im Dorfgemeinschaftshaus. Beginn ist um 20 Uhr, Einlass ab 19 Uhr. Eintritt: 13 Euro.

 

Foto: Marzell Biggel und Vera Schwerdtle sorgten musikalisch und schwäbisch für „Kulturiges“. (Foto: swe)