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Deuchelriedler Theaterleute bieten köstliches Vergnügen

29.12.2012

Für die schwäbische Groteske „Xsund?!“ am 11. Januar gibt es noch Karten

 

DEUCHELRIED (vs) - Es ist in der Tat ein köstliches Vergnügen, was das Deuchelrieder Theater da auf die Bühne bringt. Hat Josef Biggel aus der berühmten Komödie „Der eingebildete Kranke“ von Molière doch eine schwäbische Groteske gemacht, an dessen Umsetzung der französische Autor sicherlich seine helle Freude gehabt hätte. Und das Publikum bei der Premiere am Donnerstagabend? Das zeigte sich begeistert. Wenngleich das Musterbeispiel dafür, dass es schon vor mehreren Jahrhunderten ein blühendes Geschäft mit Heilmitteln gab, so manchen zum Nachdenken angeregt haben dürfte. Die Handlung lehnt sich an das große Vorbild „ziemlich frei“ an: Aus Argan wird Franz-Ferdinand Wundt, ein Leidender. Doch dessen zahlreiche Gebrechen und Wehwehchen existieren nur in der Vorstellung. Bestärkt wird er von seiner zweiten Frau Elsbeth, die hofft, von ihm als Alleinerbin eingesetzt zu werden, und von zwei Ärzten und einem Apotheker, denen Wundts imaginäre Krankheiten üppige Einnahmen bescheren.

 

Wenn Vater vor Zorn rast
Dann kommt Wundt auf den Gedanken, seine Tochter Adelheid mit einem angehenden Arzt, einem eitlen Schwätzer und albernen Dilettanten, zu verheiraten. Adelheid, ihrerseits in Klaus verliebt, weigert sich und bringt ihren Vater damit zur Raserei. Nun greift Wundts Dienstmädchen, die kess-energische Dorle, ein. Sie will ihren Herrn zur Vernunft bringen. Zunächst verhilft sie Franz-Ferdinand dazu, sich tot zu stellen, um so in Elsbeth die Erbschleicherin und in Adelheid die trauernde Tochter zu entdecken. Dann erscheint Dorle als Arzt verkleidet, um Wundt mit der Androhung von drastischen Heilungsmethoden zu kurieren.

 

Dem Ensemble gelingt der Spagat zwischen französischer Posse und italienischer „Commedia dell’arte“ vorzüglich. Geschickt und übermütig jonglieren die Darsteller mit fremden und eigenen Gebrechen und werfen Marzell Biggel als Franz-Ferdinand Wundt, für den das Stück wie auf den Leib geschrieben ist, die Bälle zu. Wie dieser jammert und klagt, sich den quacksalbernden Ärzten unterwirft und dennoch argwöhnisch deren Rechnungen prüft, wie er sich vor allem auch mit Dorle einen Schlagabtausch nach dem anderen liefert, das macht Biggel so schnell keiner nach.

 

Karoline Güntner-Lang spielt die berechnende Ehefrau Elsbeth, Miriam Biggel reckt als Adelheid ihr Näschen in die Höhe und kann so herrlich in Ohnmacht fallen. Als Adelheids charmanter Verehrer Klaus tritt Benedikt Sigg in Erscheinung, Winfried und Daniel Geier sind das Ärzte-Duo, das nur den eigenen Vorteil im Auge hat. Apotheker Blum wird von Rainer Weindorf gespielt, der nach eigenem Bekunden „mehr Ärsche als Gesichter“ sieht – was wörtlich wie im übertragenen Sinne gesehen werden kann. Neben der kleinen Paulina Biggel, die als Wundts Töchterchen Clara munter über die Bühne hüpft, und Claus Scherdle-Biggel als Wendel, der die Wende ins Rollen bringt, verdient Yvonne Kling für ihr komödiantisches Können als Magd Dorle besondere Anerkennung.

 

Ein Lob gebührt auch allen, die dazu beitragen, dass dieser „barocke Dreiakter“ zu einem schönen Erfolg wird: den Maskenbildnern und Bühnenbauern, den Souffleusen wie der Technik nicht zuletzt den Musikern unter der Leitung von Stefan Heidel. Bleibt noch, Ideengeber und Spielleiter Josef Biggel ein uneingeschränktes „Bravo“ zuzurufen.

 

Foto: Solche Heilungsmethoden des vermeintlichen Arztes (links: Yvonne Kling als Dorle) kurieren Wundt (Marzell Biggel) schnell. FOTO: STILLER